Nach über zwei Wochen auf Boa Vista heißt es nun Abschied nehmen, von all den Freunden, die wir dort gefunden haben. Ich sitze noch eine Stunde mit dem Hosenmann am Straßenrand in der Sonne und rede mit ihm über seine und meine Familien, die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede in unseren Kulturen und über Frauen.
Den restlic
hen Tag liege ich bei Francois in der Sonne und schäckere mit Gabriel und einer Brasilianerin herum. Der letzte Tag vergeht schnell. Max und ich packen auf den letzten Drücker unsere sieben Sachen zusammen und verlassen nach langem Abschied das Haus um uns am Hafen mit Jean- Loup zu treffen. Der Kapitän unseres ersten Bootes muss allerdings noch eine halbe Stunde am Dingi auf uns warten, da wir noch einen kleinen Abstecher zu „Mr. Check“ und seinen Laden machen um uns auch dort zu verabschieden.
Gabriel, der mit Jean- Loup und Marianne zusammen nach Brasilien fährt, sagte am Mittag zu mir, dass eventuell eine kleine Hoffnung besteht, dass der Kapitän auch Max und mich bis nach Brasilien mitnehmen könnte.
Ich beschließe ihn das während der Fahrt nach Santiago mal vorsichtig zu fragen. Francois und seine Mutter begleiten uns noch mit auf die „Yao!“, denn auch sie sind auf die Bootsparty eingeladen. Schließlich sitzen zwölf Menschen und zwei Hunde auf dem wunderschönen Boot und genießen einen wunderbaren Abend mit viel Essen, Wein und Musik. Ein Schweizer Pärchen mit zwei Kindern ankert direkt neben der Yao! und erzählt uns von ihrer Reise, die sie mit dem Segelboot um die Welt führen soll. Später werden Max und ich die vier in Mindelo wieder treffen, aber Platz haben sie leider keinen für uns.
Mein Plan ist mit Jean- Loup nach Santiago zu segeln, um von dort irgendwie nach Mindelo auf Sao Vincente zu kommen. Dort befindet sich nämlich eine große Marina, in der es nur so von Booten wimmelt. Irgendjemand wird uns von dort bestimmt mit nach Brasilien nehmen.
Nach einer gemütlichen ersten Nacht auf See werde ich morgens mit dem Duft von frischem Kaffee und dem Gesang von Jean- Loup sanft aus dem Schlaf gehoben. Wunderbar ist das Frühstück und ich genieße die nette Gesellschaft. Am frühen Nachmittag lichten wir schließlich den Anker und stechen in See in Richtung Santiago. Auch dieser Tag ist schnell vorbei. Ich liege an Deck in der Sonne und platze fast vor Glück. Was für ein wunderbares Gefühl endlich wieder auf See zu sein! Abends zeigt mir der Kapitän stolz sein ganzes Boot.
Er hat alles selbst gemacht und das sieht man auch. Alles in diesem Boot ist eine gelungene Kombination aus praktisch und schön. Auch die Ausstattung kann sich sehen lassen. Neben den standardmäßigen Gerätschaften verfügt dieses Boot auch über einen Watermaker und eine Dieselheizung für Warmwasser. Außerdem ist die Energieversorgung erstklassig. Zwei Windgeneratoren, ein Strömungsgenerator und Solar Panels sorgen für ausreichend Strom für Radar, GPS, Autopilot, Kühlschrank und Licht.
Falls der Strom doch mal knapp werden sollte kann man ja mmer noch den Diesel anwerfen. Mich erinnert dieses Boot sofort an die „Dasy“, auf der ich vor zweieinhalb Jahren einige Wochen verbracht habe.
Nach ausgiebiger Bootsführung sitze ich noch lange mit dem Kapitän zusammen im Cockpit und erzähle ihm von meinen bisherigen Reisen und meinen Plänen die ich jetzt habe. Leider kann er uns nicht mitnehmen. Es mangelt einfach an Platz.
Am nächsten Morgen wachte ich auf und musste erst einmal realisieren, dass es tatsächlich war ist. Ich liege in einer Koje auf in einem Segelboot! Auch an diesem Morgen lockte mich der Geruch von frischem Kaffee und Brot schnell aus den Federn. Als ich aus einer Luke schaute, stellte ich fest, dass wir bereits bei Tarafal von Santiago vor Anker liegen. Die Wellen sind ziemlich groß und es ist uns unmöglich mit dem Dingi an Land zu kommen.
Das macht aber nichts, denn es gibt sowieso erst einmal Frühstück. Nach dem „petit déjeuner“ bekommen Max, Gabriel und ich Neoprenanzüge verpasst und dann geht es ins Wasser, um das Boot von außen von Algen und Muscheln zu befreien. Jean- Loup, ein ehemaliger Berufstaucher holt seine Tauchausrüstung um einem benachbarten Boot zu helfen. Der Anker hatte sich am Grund zwischen Steinen verkeilt und es war unmöglich ihn einzuholen. Gabriel war schnell. Bevor ich schalten konnte hatte er Eric, den Kapitän des anderen Bootes gefragt, ob er Max und mich nach Mindelo mitnehmen könnte. Gefragt, gestattet, getan. Noch schnell heiß duschen und essen und schon saßen Max und ich an Bord der „Anao“ im Salon und tranken Kaffee und aßen selbst gebackene Kokosküchlein. Wir konnten uns kaum von Gabriel, Jean- Loup und Marianne verabschieden, denn kaum war der Anker geborgen, liefen wir auch schon aus. „We’ll see us in Brazil! Have fun!“ rief ich Gabriel noch schnell zu und schon befand ich mich in einem neuen Film. Die Crew der Anao besteht aus Kaptän Eric, seiner Tochter Stef, Jo, einen Schreiner, einen gewissen Luc und jetzt auch Max und mir. Die vier kommen alle aus Frankreich und haben vor nach Martinique zu segeln.

Wir aßen Pasta und segelten hart am Wind Richtung Sao Vincente, da ging auch schon die Sonne unter..
Nach sechs Stunden hin- und herrollen in meiner Koje wurde ich von Kapitän für meine Nachtschicht geweckt. („C’est a toi“) Besonders viel redete Eric nicht. Die schüchterne Höflichkeit an Bord war anfangs ein wenig schwer für mich zu akzeptieren.
Morgens konnte man auch schon wieder Land sehen. Die Ilhéo Roso, die Ilhéo Branco, Santa Luzia und mit ganz viel Augen zusammen kneifen auch Sao Vincente. Wir überlegten viel hin und her, welche jetzt welche Insel ist, es wurde diskutiert und als Beweis mit dem Kompass wild durch die Gegend gepeilt.Nach einigen Stunden war dann aber fast allen klar, welche jetzt welche Insel ist. Wir hielten genau auf eine zu. „Ist das jetzt Sao Vincente?“ fragte Max. „Nein, das ist Santa Luzia.“ – „Warum fahren wir dann da hin?“ – „Weil wir da hin wollen.“ Das war uns nicht bewusst gewesen. Aber warum auch direkt nach Mindelo fahren, wenn man auch vorher an einer schönen, einsamen, unbewohnten Insel vorbei schauen kann. Wir warfen den Anker aus, hängten eine paar Sachen zum trocken auf und gingen baden. Mit Kamera und Harpune bewaffnet paddelten Max, Luc, Stef und ich in Richtung Strand. Auch hier war der Schwell ziemlich hoch und die Brecher brausten mit Getöse an den Strand. Man muss die letzten paar Meter zum Strand gut timen um trocken an Land zu kommen. „Il faut attendre le bon moment!“ Der geeignete Moment kam…doch wir waren zu lahm. Zu spät paddelten wir in den Bereich, wo die Wellen anfangen zu brechen. Nach drei Purzelbäumen mit dem Dingi wurden wir an den Strand gespült. („C’était pas le bon moment!“)
Zum Glück waren wir außerdem mit einem Seesack ausgestattet und unsere Kameras blieben trocken.

Zum ersten Mal in meinem Leben betrat ich eine echte unbewohnte Insel. Ich kam mir ein bisschen vor wie Robinson Crusoe als ich den Sand betrat. Außer ein paar Fischern und einigen seltenen Seglern verirrt sich nie jemand auf diese Insel. Der Strand ist weiß, glatt und unberührt. Ich muss ein bisschen schmunzeln, denn mir kommen plötzlich die großen Fahrzeuge in den Sinn, welche in Spanien regelmäßig die Strände am Mittelmeer schön und glatt kämmen.

Plötzlich habe ich fast schon ein schlechtes Gewissen hier meine Fußstapfen im Sand zu hinterlassen.
Einige Stunden tollten wir über den Strand, begegneten tatsächlich ein paar Fischern und bestaunten die Einsamkeit der Insel. Luc fing unser Abendessen und wir paddelten, diesmal mit dem perfekten Moment, in den Sonnenuntergang zurück zur Anao. Nach leckeren gebackenem Fisch und einigen Partien UNO fielen wir alle müde in unsere Kojen.

Am nächsten Tag, bevor wir es angingen den Anker zu lichten, hatte ich eine schöne Jamsession mit dem Kapitän. Nach Mindelo ist es nun nicht mehr weit. Gegen Abend kommen wir dort an. Wir bestaunten die Vorboten des kapverdischen Karnevals und aßen anschließend zu Abend. Max und ich zogen noch ein bisschen um die Häuser, hatten Kräuterkunde mit einem Einheimischen und gingen schließlich auch schlafen…
- Jean- Loup und Marianne
- Maultrommelmusik
- Die Schweizer
- Trommelmusik
- Akkordeonmusik
- Francois und seine Freundin sind auch auf der Bootsparty
- Salon der Yao!
- Im Cockpit
- Strand von Tarafal
- Die Crew der Anao
- Jo
- an Land gespült
- unberührt
- Einsamer Strand auf Santa Luzia
- Stef
- Spuren
- Fischer auf Santa Luzia
- Luc fängt einen Fisch
- Luc am jagen
- Die Anao
- Jamsession


































