Nachdem Max und ich in Mindelo angekommen waren, dauerte es keine 48h und wir hatten bereits einen Lift nach Brasilien gefunden. Wie das wieder so schnell ging weiß ich auch nicht. Wir waren wohl mal wieder zur richtigen Zeit am richtigen Ort..
Am ersten Abend in Mindelo lernen wir in der Marina- Bar Jack kennen, einen Australier, der mit seinem Cousin und dessen Freundin um die Welt segelt. Wir gehen gleich alle zusammen in der Stadt etwas essen und Jack entpuppt sich als ein überaus lustiger, sehr redseliger Kerl. Natürlich hat Max ihn gleich gefragt, ob er uns mitnehmen kann, allerdings haben sie auf ihrem Boot leider keinen Platz mehr. Wir dürfen aber solange wir auf Bootssuche sind bei ihnen in der Koje schlafen. Das ist perfekt, so sind wir nahe am Geschehen und können obendrein auch noch Geld sparen.
Am nächsten Tag unternehmen Max, Stef und ich eine kleine Wanderung durch Mindelo und auf einen nahegelegenen Berg. Von dort hat man eine unfassbare Aussicht auf die Stadt, den Hafen, das Meer und die Insel San Antaô. Es ist sehr heiß und das Städtchen ist wie ausgestorben.
Wir witzeln noch darüber, dass gerade bestimmt alle schlafen, als plötzlich wilde Trommelmusik zu hören ist. Zwei Minuten später befinden wir uns inmitten eines großen Karnevalsumzug! Wir tanzen eine Weile und ich fühle mich wie in einer anderen Welt.
An diesem Tag brachten Max und ich unser Gepäck zu den Australiern aufs Boot. Wir wollen dem Kapitän auf der Anao wieder Platz in seiner Koje machen, die er extra für uns geräumt hatte. Auf dem Boot der Australier ist es zwar auch eng, aber das macht nix, da wir uns alle ziemlich gut verstehen und ohnehin, die meiste Zeit unterwegs sind.
Den Tag verbringen wir damit, mal richtig zu duschen, Kaffee zu trinken und die Stadt zu erkunden. Da ich mein Fahrrad verkauft habe und in Brasilien zu Fuß unterwegs sein werde, brauche ich unbedingt einen großen Rucksack, doch ich habe das Gefühl, dass ich auch in Mindelo nicht fündig werden werde.
Am Abend sind wir eine sehr große Gruppe, die zusammen essen will. Wir irren eine Weile planlos durch Mindelo, jeder folgt niemanden und es dauert lange bis wir uns auf einen Platz geeinigt haben. Letzten Endes landen wir dort, wo wir tags zuvor auch schon Essen waren. Zu zehnt sitzen wir in einem kleinem Restaurant und tauschen wild unsere Segelgeschichten aus. Mit dabei ist auch noch ein Franzose und ein Argentinier, welche wir auch noch aufgegabelt haben.
Nach dem Essen gehe ich mit Stef zurück aufs Boot um ein wenig guten Rum zu trinken. Aus dem wenig wurde viel Rum und wir amüsierten uns zu Tode. Später kamen noch Luc, Jo und der Kapitän dazu und wir packten die richtig peinlichen Geschichten aus unseren Leben aus. Der Abend entwickelt sich feucht- bis nassfröhlich und die vier Franzosen konnten plötzlich ziemlich gut Englisch sprechen. Stef und ich philosophieren noch sehr lange über das Leben und rundeten den Abend mit einer netten Teeparty ab.
An dem Morgen danach musste ich mit dem Resultat des ganzen Rums leben und verkroch mich erst einmal auf das Boot des Argentiniers. Dort war es schattig und gemütlich. Es war ziemlich früh am morgen und irgendwann traf ich Max, der schon bei den Australiern in der Koje geschlafen hatte. Auch er hatte wohl einen spannenden Abend und wir beschlossen uns ausnahmsweise ein richtig dickes Katerfrühstück in der Marina-Bar zu gönnen. Wir rekonstruierten uns gerade gegenseitig unsere Abende als uns plötzlich ein blondes Mädchen ansprach:
„Hey, seid ihr aus Deutschland?„
„Ja“
„Wollt ihr nach Brasilien segeln?„
„äh, ja?“
„Kommt bitte bei uns mit!„
„äh, okay..“
Tja, und so schnell ging das! Ohne uns auch nur im Ansatz Gedanken darüber zu machen, wie wir strategisch mit der Bootssuche vorgehen könnten, hatte uns innerhalb sehr kurzer Zeit eine Mitsegelgelegenheit nach Brasilien gefunden.
Ich hatte damals vor zwei Jahren um die drei Wochen gebraucht, um einen Lift zu finden. Zehn Minuten später waren wir an Bord der Ana Carolina und lernten den Kapitän und die Crew kennen. Das Boot! Es war Liebe auf den ersten Blick. Total verkatert schwebte ich den restlichen Tag auf Wolke sieben und musste dies immerwieder allen auf die Nase binden. Ein groβes Abenteuer stand nun kurz bevor! Wir werden in wenigen Tagen aufbrechen, die anderen Inseln, der Kap Verden erkunden und dann schlieβlich von Sal aus in See stechen um den Atlantik zu überqueren! Ich war aufgeregt!
Zur Feier des Tages gab Jack noch eine kleine Bootsparty für uns. Die kleine Party wurde größer, und diesmal extrem verkatert, ging es am nächsten Morgen um acht Uhr los – auf die Ana Carolina und in Richtung Sao Nicolau…
- Blick auf Mindelo
- Karneval
- Bei den Australiern..
- Unsere Koje bei den Australiern
- Bei den Australiern
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