São Nicolau – Durch die Berge und zurück

Wenn man am Strand von Tarrafal steht, kann man sich kaum vorstellen, dass es in den Bergen von São Nicolau ziemlich grün ist. Hier an der Küste regnet es so gut wie nie, doch sobald man sich ein bisschen ins Landesinnere bewegt ändert sich das ziemlich schnell. Das bekamen auch wir am eigenen Leib zu spüren, als wir, die Crew der Ana Carolina einen Tagesausflug, durch die Berge nach Ribeira Brava machen wollten. P1010779Enrique organisierte uns einen kleinen Pick-Up sammt Fahrer, der sich den ganzen Tag freigenommen hatte um uns die Insel zu zeigen. Wir versammelten uns morgens auf der Ladefläche des Pickups und starteten auf der einzigen Straße, die in die Berge führte. Wir hatten kaum den Ort verlassen und die ersten 50 Höhenmeter erklommen, als es anfing zu regnen – uns zwar mächtig. P1010803Der Fahrer drehte um und fuhr zurück in den Ort um das Auto zu tauschen. Wir stiegen alle in einen kleinen Van und starteten erneut. Auf kleinen Straßen rasten wir durch die Berge und beobachteten, wie sich die Landschaft um uns herum völlig veränderte. Anfangs alles steinig und kahl, zeigte die Insel sich nun von ihrer grünen Seite. Überall wuchsen Bananen, Papaya und Gemüse aller Art. Ich sah sogar saftiges, grünes Gras! Ab und zu machte der Fahrer halt und wir konnten aussteigen, um ein wenig besser zu gucken. Die Aussicht erinnerte mich sofort an La Gomera. Dort sah es in den Bergen ganz ähnlich aus. Ich schielte zu Garapo herüber. Der grinste nur und nickte mit dem Kopf. Auch er hatte die kleinen Pflänzchen entdeckt, die dort leicht versteckt hinter fast jeder Hütte standen. Naja, irgendwo muss das Zeug ja schließlich herkommen, dachte ich zufrieden.

In den Bergen...

Unser nächster Halt war eine kleine Gemüsefarm mitten im nirgendwo.Wir deckten uns großzügig mit Salat und Gemüse für unsere Bordküche ein und bestaunten die großen Papayas.P1040068P1040070 Garapo erzählte mir von seiner Arbeit auf Gomera. Er stellt dort Palmenhonig her, eine Spezialität, die es dort überall gibt. Man muss dafür auf die Bäume klettern und kleine Zapfhähne am Stamm anbringen, durch welche, dann der Palmensaft ausfließen kann. Köchelt man diesen dann über mehrere Stunden, ensteht ein dickflüssiger Sirup. – Palmhonig. die Arbeit ist nicht ungefährlich, da es auf den Palmen sehr viele Bienennester gibt, erklärt mir Garapo: „Nach dem fünften Stich musst du sofort runter klettern, sonst kann man schnell mal bewusstlos werden und abstürzen“. Er grinst und haut mir auf die Schulter, als er mein Gesicht sieht. „Heute Abend kannst du von dem Honig probieren, ich habe ein paar Flaschen dabei..“ Wir kaufen noch ein paar Tomaten und fahren dann weiter, auf kleinen holprigen Straßen durch die Berge.

Die Straße wird immer steiler und schmaler. Ich kann kaum noch glauben, das der Van in dem wir sitzen nicht einfach abrutscht. Der Weg besteht nur noch aus Geröll und großen Löchern. Doch es klappt. Plötzlich fahren wir durch einen kleinen Ort, der scheinbar aus dem nichts aufgetaucht ist. Hier hätte ich sowas nicht vermutet. Die Häuser sind an die Hänge gebaut, als gehören sie zu den Bergen dazu. Überall rennen Kinder herum und Esel kreuzen die Straße. Es geht nun so steil bergab, dass ich meine Füße gegen den Boden vom Van pressen muss, damit ich nicht nach vorne vom Sitz rutsche. Plötzlich halten wir an. „Alle aussteigen“ – Der Kapitän grinst. –  „Wir sind da.“ Ziemlich versteckt, zwischen Hügeln und Bäumen sehe ich jetzt wo wir sind. Überall liegt abgeschnittenes Zuckerrohr herum und es riecht verdächtig nach Maische. P1010804Wir sind bei einer kleinen Destillerie in den Bergen. Hier wird also der ganze Grog hergestellt. Wir dürfen alles anschauen und probieren. Am besten gefällt mir das rohe Zuckerrohr. Es schmeckt sehr lecker und ist irgendwie erfrischend. Natürlich probieren wir auch den frisch gebrannten Grog und sind schnell ziemlich angeheitert. Jetzt versteh ich plötzlich auch, warum Enrique extra einen Fahrer organisiert hat. Von uns ist jetzt nämlich keiner mehr fahrtüchtig.

P1040054P1010831Die Maische

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Nachdem wir alles ausgiebig angeschaut hatten, lieβen wir uns weiter fahren. Vorher deckten wir uns allerdings noch mit genügend Schnaps ein. Unser nächstes Ziel war die Stadt Ribeira Brava. Wir hatten schon ziemlich Hunger und wollten dort irgendwo etwas zu Mittag essen. Über kleine Sträßchen ging es kreuz und quer über die Insel. Ich verlor sehr schnell die Orientierung, doch irgendwann kamen  wir an. Der Fahrer setzte uns alle im Stadtzentrum ab, und meinte er hole uns später wieder ab, er müsse noch etwas besorgen. Es war ein sehr schöner Ort.

Die Crew

Bunte Häuser zierten die kleinen Gassen und die Berge rings herum leuchteten in der Sonne. Wir fanden ein kleines Restaurant, wo wir gemeinsam etwas aßen. Keliandro war auch dabei. P1040064Diesen Jungen haben wir in Tarrafal kennengelernt und werden ihn in ein paar Tagen mit auf die Insel Sal nehmen. Das Essen war großartig. Ich gönnte mir ein kühles Bier und setzte mich irgendwo an den Straßenrand und beobachtete das Geschehen in den Gassen. Bald ist hier Karneval. Die ersten Vorbereitungen waren schon im Gange. Max und ich überlegten uns eventuell über Karneval zurück in dieses Städtchen zu kommen. Mir gefiel es hier.

Gegen Nachmittag holte uns der Fahrer wieder ab und wir fuhren zurück nach Tarrafal. Während der Fahrt schlief ich ein und wachte erst wieder auf, als wir am Hafen abgesetzt wurden. Ein schöner Tag voller Eindrücke. Zur Abrundung gab es noch etwas von Garapos Palmenhonig mit Rum und ein paar Kräutern aus den Bergen von São Nicolau..

Carolina und Andrea

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